Dienstag, 5. März 2013

Ich werde nicht um dich weinen, Fluggesellschaft

Das spanische Wirtschaftsportal Economia Digital fragte mich kürzlich nach meiner Meinung zur Umstrukturierung von Iberia (spanische Fluggesellschaft). Für die Fluggesellschaft besteht die Gefahr, aufgrund ihrer Vergangenheit und ihrer nie überdachten Geschäftsstrategie gänzlich zu verschwinden. Es handelt sich um ein Unternehmen, das unter den Fittichen einer Militärdiktatur geboren wurde und dort auch aufgewachsen ist, und das sich nun aufgrund der oft eher geopolitischen als wirtschaftlichen Beweggründe der Geschäftsleitung in einer Sackgasse sieht.
Werfen wir einen kurzen Blick auf die Geschichte des Unternehmens. 1927 von einem baskischen Unternehmer namens Echevarrieta gegründet, wurde die Fluggesellschaft bald vom spanischen Diktator Primo de Rivera als Monopolist im spanischen Flugverkehr gefestigt. Im Jahre 1929 wurde das Unternehmen auf Geheiß der Militärdiktatur nämlich in die CLASSA (Concesionaria de Líneas Aéreas Subvencionadas, S.A.) integriert, die fortan als einzige Fluggesellschaft in Spanien tätig sein durfte. Mit der Entstehung der Zweiten Spanischen Republik (1931) wurde die CLASSA aufgelöst und es entstand die LAPE (Líneas Aéreas Postales Españolas). In diesen Jahren war Iberia kaum aktiv. 1937, während des spanischen Bürgerkrieges (1936-39) also, wurde Iberia reaktiviert und zur Fluggesellschaft der Falangisten, mit Hauptsitz in Salamanca. Mit dem Übergang zur Demokratie nach dem Tode Francos, und es ist dies ein weiterer Beweis für die Schwächen dieses Übergangs, sind die verschiedenen Regierungen Spaniens die Privatisierungsprozesse, die mit dem Eintritt in die EU 1986 einhergingen, zu spät und zum Leidwesen des allgemeinen Interesses angegangen. Generell wurde in Spanien, egal ob nun UCD, PSOE oder PP regierten, privatisiert indem man die Macht zentralisierte und in Madrid konzentrierte und sie einer kleinen oligarchischen Kaste übergab.


 
In diesem Kontext verfolgten die Führungskräfte der INI (Instituto Nacional de Industria, Nationales Industrie-Institut), staatliche Holding-Gesellschaft und größter Aktionär von Iberia, eine Wachstumsstrategie Iberias auf dem südamerikanischen Markt um so eine Liberalisierung der Flugmärkte in der Europäischen Union vorzubereiten. Diese Rekolonialisierungsstrategie war jedoch ein herber Misserfolg; die Verluste für Iberia waren erheblich. Die INI musste über die spanische Regierung zwei Erhöhungen des Gesellschaftskapitals vornehmen.

Das Jahr 2001 stellte einen Meilenstein in der Geschichte der Fluggesellschaft dar. Mit dem Börsengang im April 2001 erreichte der Privatisierungsprozess seinen Höhepunkt. Iberia wurde Teil der Allianz Oneworld, der u.a. auch British Airways und American Airlines angehören. Iberia notierte fortan, und dies bis zur Fusion im Jahre 2011, auch im spanischen Aktienindex Ibex 35. Aus dieser Fusion ging eine neue Holding-Gesellschaft hervor, die IAG (International Airlines Group), welche nun zum ersten Mal in 85 Jahren eine Umstruktuierung nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten anstrebt. Eine solche Umstrukturierung könnte einigen Experten zufolge zum Verschwinden von Iberia führen.

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Josep Huguet
@josep_huguet

Ehemalige Minister der Regierung von Katalonien (2004-2010).
Präsident des Irla Foundation.
Wirtschaftsingenieur.

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