Sonntag, 10. März 2013

Teresa Forcadas, die Nonne, die kein Blatt vor den Mund nimmt




Teresa Forcadas ist eine atypische Nonne. Sie ist 1966 in Barcelona geboren, hat den  Doktortitel in Medizin und Theologie erworben und im Jahre 1997 wurde sie Nonne. Als solche lebt sie im Kloster des Heiligen Benet (Benedikt) auf dem Berg von Montserrat. Der Ruf Gottes und das kontemplative Leben waren jedoch für sie kein Hindernis, zu einer in den öffentlichen Medien bekannten Persönlichkeit zu werden. Sie hält Vorträge und Vorlesungen, wohin immer man sie einlädt und verfügt über ein umfangreiches Wissen in der Digitalwelt. Die Benediktinernonne spricht eine klare Sprache und verteidigt den Prozess der Unabhängigkeit, der in Katalonien begonnen hat, eine Unabhängigkeit, die jedoch eng verbunden sein muss mit einer grösseren sozialen Gerechtigkeit.

Und die Meinung der Nonne Teresa Forcada ist:
„ Katalonien erlebt einen Moment der Umwandlung und die Regierung Kataloniens will die Volksbefragung über die Unabhängigkeit im Jahre 2014 begehen.
Die Verbindung zwischen Katalonien und dem Staat Spanien ist alles andere als ideal. Was die finanzielle Lage angeht, so ist herauszuheben, dass wir mehr geben, als was wir von der Zentralregierung erhalten, eine Zentralregierung, die Katalonien misshandelt. Ausser dieser Tatsache hat Katalonien eine Geschichte und Forderungen, die danach streben, einen anderen Weg zu gehen. Und diesen eigenen Weg möchte Katalonien gehen, selbst wenn der Zentralstaat uns, Katalonien und somit die Katalanen aufs Beste behandeln  würde. Ich glaube, dass die nationalen Forderungen im Sinne der Souveranität ihre endgültige Rechtfertigung in dem ausgesprochenen Willen des Volkes finden. Sobald sich dieser Wille zeigt, kann nichts und niemand diese Strömung verhindern. So ist es, wie ich die Forderung der gemeinsamen Freiheit verstehe. Unser Land Katalonien, hat historische Wurzeln, eine eigene Sprache und vor allem den Willen, eine andere Zukunft zu bauen. Und diesen Willen für eine eigene Zukunft  hat man zu respektieren, denn das ist die Grundlage  der Demokratie.“

Und wie sollte dieser Weg begangen werden?
„Wenn ich an das Projekt eines unabhängigen Katalonien glaube, so ist es, weil ich glaube, dass man eine Gesellschaft und eine politische einen politischen Weg für eine soziale Gerechtigkeit bauen kann, eine Gerechtigkeit, die es heute nicht gibt. Europa sollte einen sozialen Weg gehen, geht jedoch den entgegengesetzten. Viele Menschen denken, dass das aktuelle System ein Unglück ist. Es gibt 1.000 Millionen Menschen, die Hunger leiden, jedoch werfen wir Tonnen von Nahrungsmittelüberschüssen weg, weil wir eine schlechte Organisation haben, Dinge anhäufen, die unnütz sind, und dabei die wirklichen Lebensbedürfnisse vergessen. Die Mehrheit der Leute sagt, dass es so nicht weitergehen kann, jedoch könne man nichts dagegen tun. Wer sagt, dass man nichts dagegen tun kann? Ich glaube wohl, dass man sehr viel dagegen tun kann.
Und deshalb ist es wichtig, dass der Prozess der Unabhängigkeit eng verbunden ist mit einer sozialen Änderung. Wenn dem nicht so ist, so hat alles Streben keinen Sinn. Die Unabhängigkeit hat einen Sinn, wenn sie mit einer grösseren sozialen Gerechtigkeit verbunden ist. Ein Teil derjenigen, die die Macht verkörpern, verteidigen ihre Interessen und  wollen jedoch nicht, dass das derzeitige Modell der Gesellschaft verändert wird. So beleben sie immer wieder den nationalistischen Streit, um vom Thema abzulenken und zu verschleiern. Man spricht von unseren( katalanischen ) Rechten, von unserer Sprache, vom Katalanismus. In der Tat, das sind sehr wichtige Aspekte, was jedoch wirklich im zentralen Blickpunkt stehen sollte, ist die Veränderung der Gesellschaft. Es kann nicht mehr hingenommen werden, dass die Menschen aus ihren Wohnungen vertrieiben werden und in allen Bereichen des sozialen Lebens tiefe ökonomische Einschnitte vorgenommen werden. Allen sollte klar sein, was wirklich wichtig ist.“

Glauben Sie, dass es in kurzer Zeit ein unabhängiges Katalonien und eine grössere soziale Gerechtigkeit geben wird?
„Die Lösung liegt beim Willen des Volkes. Wenn das Volk seinen Willen zum Ausdruck bringt, so wird das unwiderruflich. Die Herausforderung ist: Wie organisiert man diesen Volkswillen? Im Laufe der Geschichte gab es Minderheiten, die eine Volksmehrheit beherrschte.
Und wie haben sie dies gemacht? Mit militärischer Gewalt, und nicht nur mit dieser. Das Militär ist wichtig in einer beherrschenden Situation, jedoch war die Gewalt nie ausreichend, um ein Kollektiv zu beherrschen. Immer brauchte man auch ein ideologisches Element: Man muss die Menschen davon überzeugen, dass es der Mühe wert ist, gegen eine Ungerechtigkeit zu kämpfen. Wenn die Menschen glauben, dass ein Kampf der Mühe wert ist, nützen keine Panzer, und wenn sie noch so viele davon einbringen. Wenn alle Menschen dies klar sähen, so könnte sich innerhalb von 24 Stunden alles ändern. Jedoch muss man sich gleichzeitig auch der Herausforderungen und der Schwierigkeiten bewusst sein. Es ist dringend notwendig, eine Basisorganisation aufzustellen. Sobald diese Organisation existiert, ist eine soziale Änderung und eine Änderung, hin zur Unabhängigkeit möglich. Zuallererst muss man den Leuten den Eindruck wegnehmen, dass man uns die Erlaubnis für dieses Unternehmen geben muss. Niemand hat uns die Erlaubnis zu geben.”

Ist es auch nicht notwendig, eine Erlaubnis für die Volksbefragung einzuholen?
„Wenn wir dies akzeptieren, so erkennen wir eine andere Autorität an. Wenn wir jedoch an die Demokratie glauben, so geht die Autorität vom Volk, von der Gemeinschaft aus. Gleichgesinnte Personen versammeln sich, entscheiden, was sie tun wollen und setzen es in die Tat um. Diese Personen müssen sich jedoch der Tatsache bewusst sein, dass dafür ein Preis zu bezahlen ist, und müssen bereit sein, diesen Preis zu zahlen. Es wird ein Kampf sein, denn wir sollen nicht glauben, dass das von Katalonien Entschiedene so ohne weiteres akzeptiert werden wird. „

Was wird der zu bezahlende Preis sein?
„Der Preis des sozialen Kampfes. In Island zum Beispiel ging eine Transition ohne Blutvergiessen vonstatten. Ich will kein apokalyptisches Szenario zeichnen. In Island jedoch war man fähig, die Angst zu überwinden, die man den Leuten eingejagt hatte. Man sagte den Isländern, wenn sie die Politik der von Europa vorgegebenen Strenge und Härte verliessen, dass sie niemals mehr aus ihrem Elend heraus kämen. Die Menschen in Island hörten nicht darauf und erprobten das Nichtgehorchen und heute scheint es, dass es ihnen besser geht als uns.  Wir müssen die soziale Änderung hervorrufen. Ich glaube, es ist noch möglich, hier einen Übergang, eine Transition, in der sehr wenig Gewalt angewendet wird,  zu finden. Noch ist unsere Situation nicht mit der in Venezuela zu vergleichen, wo die soziale Spaltung zwischen Reich und Arm enorm gross ist. Jedoch bis in zehn Jahren könnten wir, wenn wir die aktuelle Situation nicht ändern, eine ebensolche Kluft zwischen reich und arm erleben.„

Quelle: Diario.es

1 comentaris:

  • Berta says:
    11. März 2013 um 03:11

    Eine außergewöhnliche Frau! Für die Welt, für die Kirche, für Katalonien, für jeder Mensch.
    Una dona increïble!
    Endavant!

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