Donnerstag, 25. April 2013

Antwort auf den Artikel, veröffentlicht in “THE TIMES” unter dem Titel:“ Der Aufstand von Artur Mas“


Der vor kurzem in „THE TIMES“ veröffentlichte Artikel über die wirtschaftlichen Gründe für ein unabhängiges Katalonien ist völlig misslungen, da er nicht eine neutrale Sicht gibt und auch nicht erwähnt, was in Katalonien alles auf dem Spiel steht. 

Zusammenfassend beschreibt der Artikel Katalonien als eine egoistische, reiche Region, die in Krisenzeiten versucht, ihre Verantwortung gegenüber den armen Regionen Spaniens abzuschütteln. Außerdem wird in dem Artikel festgestellt, dass ein unabhängiges Katalonien ärmer und über die Maßen verschuldet wäre. 

Es ist verständlich, dass innerhalb der größten Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre und mit einem um das Überleben kämpfenden Euro, ein politischer Konflikt in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union als ein Risiko für die Europäische Union und für die Eurozone betrachtet wird. Dies ist jedoch keine Entschuldigung, den Leser zu belügen. 

Als erstes muss festgestellt werden, dass die Regionalschulden nur einen kleinen Teil der Totalschulden Spaniens ausmachen. So betragen in der Tat laut dem Index Dezember 2012 die Regionalschulden nur 17,6% des Bruttosozialproduktes, während die Schulden der Zentralregierung 72,54% betragen, die Schulden der Stadtverwaltungen 4% und die der Sozialversicherung 1,6%. Die Summe all dieser Schulden ist demnach 84,2% des Bruttosozialprodukts 

In der Tat ist Katalonien eine der höchst verschuldeten Regionen, jedoch muss gesagt werden, dass die Regionen mit der höchsten Verschuldung (Katalonien,Valencia und die Balearischen Inseln) gleichzeitig jene Regionen sind, die anderen Regionen einen erhöhten Kapitalnettotransfer gaben (zwischen 6% und 14% ihres Bruttosozialproduktes jedoch gleichzeitig ungenügend Subventionen vom Zentralstaat erhielten, um dies in Erziehung, Gesundheitswesen und Sozialdienst investieren zu können. 

Wenn Katalonien auf demokratischem Wege entscheidet, sich von Spanien zu trennen, mit einer Verschuldung von 50.000 Millionen Euro und einem Bruttosozialprodukt von ca. 200.000 Millionen Euro, so wird die Schuldenlast für Katalonien nur 25% des Bruttosozialproduktes betragen, und damit die geringste Verschuldung in der Welt aufweisen. 

Natürlich muss auch gesagt werden, dass sich diese Ziffer der Verschuldung ändert, wenn die Haltung Spaniens in dem Unabhängigkeitsprozess zivilisiert und verhandlungsfreundlich ist, Spanien das Resultat eines Referendums in Katalonien akzeptiert, und die Bewerbung Kataloniens zum Eintritt in die Europäische Union nicht blockiert. Dann nämlich würde Katalonien den proportionellen Schuldenteil Spaniens auf sich nehmen, wie auch den proportionellen Teil der Staatsgüter Spaniens – ganz so wie die Konvention von Wien aus dem Jahr 1983 über die Erbfolge der Staaten in Bezug auf Güter, Archive und Schulden bestimmt. In diesem Fall wird es für Katalonien wahrscheinlich laut diesen Verhandlungen eine Verschuldung in der gleichen Höhe wie der des spanischen Staates ergeben, d.h. zwischen 90% und 100% des Bruttosozialproduktes. 

Was die Handelsbeziehungen angeht, so sind die internationalen Exporte Kataloniens im Jahre 2011 zum ersten Mal höher gewesen als die Spaniens, und diese Tendenz ist steigend. Natürlich wird Spanien weiterhin einer der wichtigsten Handelspartner Kataloniens sein, wie es auch das Wirtschaftsmodell vorsieht. Die Handelsboykotte werden nur auf kurze Dauer besorgniserregend sein. Sogar in Ländern, die sich in einem Krieg befanden, wie dies der Fall ist bei Serbien und Kroatien, kehrten nach einigen Jahren die Handelsbeziehungen zur Normalität zurück. 

Schließlich ist noch hinzuzufügen, dass zwar der Verlust einer industriellen und dynamischen Region auf kurze Sicht als ein Problem für Spanien angesehen werden kann; auf längere Sicht und auf die Dauer bin ich jedoch überzeugt, dass es sich als positiv erweisen wird. Es wird der Schlüssel sein, der das spanische Potential aufschließt, wenn erst einmal die notwendigen strukturellen Reformen durchgeführt sind und Spanien die Elite der „Rentensucher“ abschüttelt, in den Regionen die, während Dekaden höchst subventioniert wurden und die die Hilfsgelder nicht dazu benutzt haben, um die Produktivität und Kompetenz der Regionen zu erhöhen. Außerdem wird es nicht mehr nötig sein, Verwaltungskompetenzen zu verdoppeln, wenn der spanische Nationalismus endlich seine fixe Idee fallen lässt, die Kompetenzen, die bereits Katalonien übergeben wurden, zu kontrollieren.. Und so könnte der spanische öffentliche Verwaltungsapparat reformiert werden, ein Verwaltungsapparat, der einer der größten Europas ist, voller Duplizitäten. 

Ich bin sicher, dass „The Times“ in einer nahen Zukunft ihre Sorgen in die Richtung setzen wird, dass eben Spanien in dem Unabhängigkeitskonflikt ebenso reagieren möge, wie der Premierminister Grossbritanniens auf elegante und demokratische Weise auf den Vorschlag eines Referendums in Schottland reagiert hat: „Immer wollte ich meinen Respekt gegenüber den Schotten zeigen – sie haben eine Partei gewählt, die ein Referendum zelebrieren will, und ich habe die Durchführung des Referendums möglich gemacht und werde dafür sorgen, dass es entscheidend, legal und gerecht ist“. 

Lesen Sie diesen Artikel in Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch



Elisenda Paluzie 
Dekan der Fakultät für Wirtschaft 
Der Universität von Barcelona 

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