Donnerstag, 25. April 2013

Katalonien im visier ausländischer presse


Es sieht so aus, als hätte die Zeitung The Times einen Kreuzzug gegen eine mögliche Unabhängigkeit Kataloniens gestartet. Im Leitartikel vor zwei Tagen warnte sie davor, dass die Trennung von Madrid für Katalonien (wirtschaftlich) zumindest so schädlich wie für den Rest Spaniens wäre. Nur einige Tage davor hatte dieselbe Zeitung in einem Artikel vom Journalisten Matthew Parris mit dem Titel “Katalonien ist eine größere Zeitbombe als Zypern” ähnlich argumentiert.
Auch wenn es sicherlich allen bekannt ist, es sollte vielleicht daran erinnert werden, dass The Times ein britisches konservatives Nachrichtenblatt ist, das früheren PP-Ministerpräsidenten Aznar als Berater hat.
Etwas unbekannter ist vielleicht die Tatsache, dass Herr Parris nebst Journalist Mitglied der britischen konservativen Partei war. Ein Mann mit einem interessanten Lebenslauf mit einigen merkwürdigen Episoden, wie zum Beispiel, dass er eine Medaille von der “Royal Society for Prevention of Cruelty to Animals” von Händen der kürzlich verstorbenen Margaret Thatcher bekam, weil er in die Themse sprang, um einen Hund zu retten. Es handelt sich nicht um den typischen Korrespondenten, der in Madrid arbeitet und der gar keine Ahnung über Katalonien hat. Herr Parris lebte und arbeitet in unserem Land; daher, dass er vermutlich einige Kenntnisse über unsere Realität hat. Und ich sage “vermutlich”, denn offensichtlich mangelt es ihm an diese, oder sonst ist er nicht sehr daran interessiert, diese zu zeigen.
Der Schaden, den der katalanische Separatismus dem, was aus Spanien übrig bleiben wird, zufügen kann, ist Grund genug gegen den Separatismus”.
Falls die Separatisten das Referendum abhalten und gewinnen, könnte dies die Region vernichten”.
Wenn ich es richtig verstehe, dann hat der spanische Staat das Recht, an seine Interessen zu denken. Europa hat das Recht, an seine Interessen zu denken. O weh!, wenn aber die Katalanen und Katalaninnen es nur wagen, an ihre eigenen Interessen zu denken.
Schritt für Schritt. Die Einräumung seitens einer so angesehenen Zeitung wie The Times, dass der spanische Staat ohne Katalonien zugrunde geht, ist schon bedeutsam; dass aber die Katalanen und Katalaninnen als verantwortlich für die Durchführbarkeit eines Landes gehalten werden, das seit Jahren uns wirtschaftlich erwürgt, ist für mich völlig unakzeptabel. Und genauso unakzeptabel und unverantwortlich finde ich die kategorische Äußerung, dass es Katalonien ohne Spanien schlecht gehen wird.
Zum einen funktioniert solch eine psychologische Erpressung mit uns nicht; vielmehr empört sie zutiefst ein Land, das seit Jahren regelrecht finanziell geplündert wird, das zur missverstandenen regionalpolitischen Solidarität beiträgt, das versucht hat, Einpassungsmechanismen mit dem spanischen Staat zu finden, und im Gegenzug nur Beschimpfungen, Absagen und Erniedrigungen bekommt.
Was können wir unseren Beamten sagen, deren Lohn dies Jahr wie auch in den zwei letzten wieder gekürzt wird? Und den 100.000 unter der Armutsgrenze lebenden katalanischen Familien? Und den 860.000 katalanischen Arbeitslosen? Und den katalanischen Unternehmen, die keinen Exportkredit bekommen?
Zum anderen erwähnt der Autor das jährliche Steuerdefizit nicht, unter dem Katalonien leidet (16.000 Mio. Euro, 8% des BIP), oder das chronische Defizit in Infrastrukturen, was das wirtschaftliche Potenzial des Landes beeinträchtigt. Ohne diese Bürde ginge es Katalonien nicht nur nicht ums reine Überleben, so wie es im The Times-Leitartikel heißt; Katalonien wäre vielmehr eine mittelgrößere Wirtschaft der Europäischen Union, mit einem Wohlfahrtssystem vergleichbar mit dem, das niederländische und dänische Bürger haben.
Das Problem über die künftige wirtschaftliche Machbarkeit Spaniens, falls wir unabhängig werden, liegt bei Spanien und der Europäischen Union und nicht bei Katalonien. Es ist nicht fair, uns dafür verantwortlich zu machen; vor allem wenn wir Katalanen mühevoll die Aufgaben machen, den Haushalt anpassen und an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, aber allesamt müssen zum gemeinsamen Wohlstand beitragen. Katalonien will in die EU-Kasse einzahlen, wie es ihm zustünde. Wir sind fest davon überzeugt, dass Brüssels -Probleme und Mängel zum Trotz- die Ressourcen besser als Madrid verwaltet. Zumindest erweckt uns Katalanen sein Sinn für Gerechtigkeit und Demokratie mehr Vertrauen.
Die internationale Besorgnis sollte vielmehr Nachdruck darauf legen, dass der spanische Staat seine Aufgaben macht, über die Durchführung des Referendums in Katalonien verhandelt und die Mechanismen bereitstellt, die das Ausüben des Selbstbestimmungsrechts in einer Region garantieren, die dringend danach verlangt, über ihre Zukunft selbst entscheiden zu können.
Wäre es nicht viel einfacher, nachdrücklich auf einen Pakt, Verhandlungen und Vereinbarungen zu bestehen, als mit dem wirtschaftlichen und finanziellen Bankrott der gesamten Iberischen Halbinsel zu drohen?

Lesen Sie diesen Artikel in Englisch, Spanisch und Italienisch


Elisabet Nebreda
Cesc Iglésies

Cesc Iglesies und Elisabet Nebreda
Vize-Generalsekretär von 'Acció Política' (politische Aktion) und Nationalsekretärin von internationaler Politik
Esquerra Republicana (Republikanische Linke)

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