Samstag, 27. April 2013

Spanien möchte keine multikulturelle gesellschaft sein


Zahlreiche spanische Politikerinnen und Politiker, sowohl linker als auch rechter Parteien, sehen die Unterschiede zwischen Katalonien und dem restlichen Spanien nicht als Teil eines reichen, gemeinsamen Kulturerbes, sondern als eine Bedrohung der nationalen Einheit. Eine Parlamentsrede des spanischen Kultusministers sorgte kürzlich für Aufruhr, da er es für notwendig erklärte, katalanische Schüler und Schülerinnen zu “hispanisieren”. Hetzerische Kommentare gegen Katalonien sind zu einem festen Bestandteil der spanischen Politik geworden. Wählerstimmen können so sicher gewonnen geworden, aber das Gefühl der Einheit wird dadurch kaum gefördert. 


9,1 Millionen Menschen sprechen Katalanisch und ist in diesem Sinn keine Minderheitssprache, zumindest nicht im traditionellen Sinn. Doch auch die katalanische Sprache wird nicht als Teil der spanischen Kultur verstanden, sondern als Angriff auf die spanische Identität. Die Zweisprachigkeit der Schulwesens ist daher ein besonderer Streitpunkt. In Katalonien besteht ein allgemeines Einverständnis mit dem aktuellen, auf Zweisprachigkeit ausgerichteten, öffentlichen Schulwesen. Denn diese Schulmodell stellt sicher, das alle Schülerinnen und Schüler sowohl Spanisch (Kastilisch) als auch Katalanisch einwandfrei beherrschen. 

Mit schöner Regelmäßigkeit rücken spanische Medien und Politiker diese Wirklichkeit jedoch in ein anderes Licht und bezeichnen das katalanische Schulwesen als spalterisch und antispanisch. Verfassung und Gerichte werden bemüht, ein Recht auf ein einsprachiges, spanischsprachiges Schulwesen auszuarbeiten. In der Praxis würde dies jedoch zu getrennten Schulen und einer gespaltenen Gesellschaft führen.

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