Freitag, 28. Juni 2013

Spanien steckt Milliarden in unnütze Züge

Mit Milliarden aus Brüssel und Krediten hat sich Spanien das zweitgrößte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt aufgebaut. Doch jetzt kann sich das klamme Land den Betrieb kaum mehr leisten. Zumindest bis Alicante verlief die Jungfernfahrt auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke reibungslos. In gut zwei Stunden brachte der Schnellzug S-100 des französischen Herstellers Alstom Spaniens Premier Mariano Rajoy und den Thronfolger Felipe aus Madrid in die Mittelmeerstadt. Doch dann, bei der Ankunft, wurden die Honoratioren und die mitreisenden Journalisten mit der harten Realität auf der Iberischen Halbinsel konfrontiert.
Empörte Demonstranten empfingen den Regierungschef mit Pfiffen, Bürgermeisterin Sonia Castedo hielt sich auf den offiziellen Fotos im Hintergrund, weil sie unter Korruptionsverdacht steht. Und am neuen Bahnhof mussten sich die Reisenden über provisorisch gelegte Bretter zu ihren Zügen durchkämpfen, weil das Gebäude noch nicht ganz fertig ist.
Rajoy versuchte das alles wegzulächeln und lobte seine eigene Politik: "Das ist ein wichtiger Schritt zur nationalen Kohäsion", sprach er – und erntete Pfiffe von krisengeplagten Bürgern, die wenig Verständnis für die Prioritäten des Regierungschefs haben. Denn die neue Zugstrecke, ein 169 Kilometer langes Teilstück zwischen Cuenca und der Hafenstadt Alicante, hat zwei Milliarden Euro gekostet – genauso viel will die Regierung in den kommenden beiden Jahren im Gesundheitswesen einsparen.
Freilich begann der Hochgeschwindigkeitsrausch schon vor 21 Jahren, als der erste AVE-Zug auf der Strecke von Madrid nach Sevilla eingeweiht wurde. AVE ist die Abkürzung für Alta Velociad Española, gleichzeitig ist "ave" das spanische Wort für "Vogel". Damals flog der Schienenvogel zur Weltausstellung in die andalusische Metropole. Und er demonstrierte den Politikern des Landes, dass die Einweihung neuer Schnellzugstrecken bei den Wählern gut ankommt.
 

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