Dienstag, 17. September 2013

Der Stier von La Vega , ein Schmerz der Freude bereitet.



Es ist der 17. September. In Tordesillas, ein spanischer Ort im ehemaligen Königreich Kastilien, werden die Bürger auch heute, wie jedes Jahr am 17. September, einen Stier mit Lanzenhieben auf grausamste Weise abstechen. Das Opfer wurde vorher sorgsam ausgewählt und heisst LANGOSTO. Man nennt dieses öffentliche Schlachtfest, das als Mutprobe der Belustigung des Volkes dient, "El Toro de La Vega". Es wird nach wie vor von den beiden grössten „demokratischen“ Parteien Spaniens, der konservativen PP und der sozialdemokratischen PSOE geduldet/unterstützt.

 

Eine Stunde lang verfolgt die blutrünstige, mit Lanzen bewaffnete Masse den Stier und sticht dabei die Spitzen genau nur so tief in seinen gewaltigen Leib, dass er langsam verblutet. Mehr als 500 „mutige“ Jäger belagern das Tier auf ihren Pferden, weitere Hundertschaften verfolgen es zu Fuss.

 

Laut „Spielregeln“ könnte der Stier sogar begnadigt werden, sollte er die in fast unerreichbarer Entfernung gelegene Grenze erlangen und überschreiten. Als dies jedoch im letzen Jahr tatsächlich geschah, wurde er von zwei Typen einfach weiter verfolgt und trotzdem abgestochen. Die blutrünstigen Tierquäler halten nicht einmal ihre eigenen Gesetzte ein. Zu diesen Normen gehört auch das Verbot, den Stier durch einen schnellen Tod zu erlösen, indem die Lanze tief in seinen Körper gestossen wird. Er soll langsam geschwächt werden, wodurch er unglaubliche Schmerzen erleidet. Eine weitere Regel besagt, dass der "Sieger" den Schwanz und die Hoden des Tieres bekommt. Diese werden ihm vor den Augen des johlenden Volkes herausgerissen und dann auf seine Lanze gespiesst.

 

Es gibt kaum Filmaufnahmen von dieser Treibjagd, da die Bevölkerung dies mit allen Mitteln zu verhindern sucht – selbst unter Anwendung von Gewalt gegen Journalisten oder Gegner des Spektakels. Die Protestaktionen gegen die grausame „Tradition“ werden hauptsächlich von ausländischen Tierschutzgruppen organisiert, mit Ausnahme der „Partei gegen Tierquälerei“. Leider hat das öffentliche Schlachten von Stieren, egal in welcher Form, nachwievor viele Anhänger in Spanien. Gerade mal 71.000 Unterschriften wurden 2012 im ganzen Land dagegen gesammelt. Zum Vergleich: in Katalonien unterstützten 500.000 Menschen mit Ihrer Unterschrift die (nach wie vor unerreichte) Einrichtung eigener Nationalmannschaften und 180.000 unterschrieben schon vor Jahren für die Abschaffung der Stierkämpfe.

 

Der “Toro de la Vega“ wurde 1980 von Spaniens Regierung zur "Fiesta von touristischem Interesse" erkoren. 1999 stellte die Region Kastillien den Schlachtspektakel sogar unter Denkmalschutz. In der Vergangenheit haben ausländische Korrespondenten Spanien zwar manchmal offen dafür kritisiert, aber, wie Martin Dahms von der Berliner Zeitung schrieb: "empfinden wir zuviel Zuneigung für Spanien, als dass wir über diese Barbarei schreiben könnten". Jedoch ist das Stillschweigen keineswegs ein Zeichen von Neutralität, sondern fördert im Gegenteil die Brutalität gegen die hilflosen Vierbeiner. Es ist ein an der Zeit, das Schweigen zu brechen.

 

Hinzu kommt, dass es uns Katalanen nicht weiter möglich ist, in einem Staat zu leben, in dem Menschen zu solchen Greultaten fähig sind.

 

Jordi Vàzquez

@JordiVazquez

0 comentaris:

Kommentar veröffentlichen