Donnerstag, 17. Oktober 2013

Der Baltische Weg führte die Singende Revolution zum Sieg












Der Baltische Weg, eine lange Menschenkette von Vilnius über Riga nach Tallinn im Jahr 1989 und der heute seinen 24. Jahrestag feiert, war ein Meilenstein in der Wiedergewinnung der Unabhängigkeit Litauens, Lettlands und Estlands. Er war so kraftvoll, dass nicht wenige Geschichtsbücher über ihn hinaus den eigentlichen Namen, mit dem jene Länder ihre Revolte getauft hatten, ignorierten: die Singende Revolution. Die Idee förderten Aktivisten, die in den Jahren der Perestroika – 1987 bis 1991 – zu Konzerten aufriefen, in denen traditionelle Volkslieder und verbotene Hymnen vorgetragen wurden, oft vermischt mit dem Repertoire moderner Rockbands, manchmal härter und manchmal softer, wie z.B. Metallica, Supertramp, Dire Straits, AC/DC oder Iron Maiden.

Hinter diesen Konzerten, einige gut organisiert und andere wiederum improvisiert, bewegte und mobilisierte sich eine zivile Gesellschaft, bereit den Zerfall der UDSSR zu nutzen, um die seit 1945 verhängte Verrussischung zu bremsen und die durch die Pakte zwischen Stalin und Hitler entrissenen Unabhängigkeiten wieder zu gewinnen. Die Aktivisten sind zu finden unter jene, die man in der postsowjetischen Welt, wie auch heute noch, als Intellektuelle bezeichnet. Es sind Menschen mit Ausbildung, Mitglieder von Schriftsteller-, Musiker- oder Künstlervereinen, Menschen, die sich den Menschenrechten verpflichtet haben. Es sind jene, die seit 1975 die sowjetische Macht herausforderten und den Schutz der Carta von Helsinki genossen, die 1975 vom Kremel widerwillig unterzeichnet und veröffentlicht wurde.

Die demokratischen Reformen von Gorbatschow zwischen 1987 und 1988, insbesondere die Glasnost (informative Transparenz), ermöglichten das Entstehen von hunderten sogenannten informalen Diskussions- und Debattierungsgruppen im Baltikum, zivile Kerne, die sich zu einem organisierten Verband entwickelten entsprechend einer Volksfront, der sich die reformiertesten und intellektuellsten Lager der Kommunistischen Partei im Bewusstsein, dass sie vor einem unaufhaltsamen historischem Aufrütteln standen, anschlossen.

Die Volksfronten entstanden in Lettland und Estland und die Sajudis (Bewegung) in Litauen. Alle Drei trieben die Förderung von neuen sozialen und politischen Führungen voran, einer Mischung aus Nationalisten, Liberalen und Sozialdemokraten, die die ersten seit 1917 pluralistischen Wahlen der UDSSR im März 1989 nutzten, um eine Handvoll Sitze im sowjetischen Kongress zu besetzen.


Eine Mobilisierung, die Führer bildet

Im Unterschied zu dem, was in unserem Haus passiert, sah sich die zivile Gesellschaft im baltischen Fall nicht gezwungen, ihre politische Klasse zu verpflichten, da genau diese soziale Mobilisierung die Führungen generierte. Aus der in Moskau repräsentierenden baltischen Macht heraus stiegen Namen wie Edgar Savisaar, Vytautas Landsbergis, Algirdas Brazauskas und Ivars Godmanis. Am Ende präsidierten sie Regierungen, vorher aber organisierten sie jenen Baltischen Weg vom 23. August 1989. Nach wenigen Monaten, im März 1990, erreichten sie jeweils mehr als die absolute Mehrheit bei den Parlamentswahlen in den drei Republiken.


Sofort sprachen die Parlamente die Souveränitätserklärungen aus, proklamierten die rechtliche und politische Subjektivität der Staaten und legten das Datum für ein Referendum über die Selbstbestimmung fest: Litauen wählte den 09 Februar 1991 und Lettland sowie Estland den 03. März desselben Jahres. Einige Wochen zuvor, seit dem Vilniusser Blutsonntag 13. Februar 1991, versuchten sowjetische Fallschirmjäger und Panzer unter der Regierung Gorbatschows den Prozess zu stoppen. Mit dem Sturm auf den Fernsehturm von Vilnuis in Litauen und auf das lettische Innenministerium starben 14 zivile Aktivisten.

Die fehlgeschlagenen militärischen Interventionen hatte keinen Aufschub der Befragungen zur Folge und das Ja konnte mit 76% in Litauen, mit 74% in Lettland und mit 78% in Estland gewinnen. Mit der Auszählung endeten die 4 Jahre der Singenden Revolution. Nach weiteren 6 Monaten, im August 1991 nach dem gescheiterten Augustputsch in Moskau gegen Gorbatschow, sprachen die drei baltischen Republiken, sich auf internationales Recht stützend, ihre unilateralen Unabhängigkeitserklärungen aus. Drei Monate später hörte die UDSSR auf zu existieren.


Llibert Ferri

Von 1987 bis 2007 Auslandskorrespondent für Kanal TV3 in Zentral- und Osteuropa sowie ehemalige Sowjetunion
Italianisch

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