Freitag, 21. März 2014

Die letzten Mandäer, ein aussterbendes Volk

Die Mandäer sind Anhänger einer religiösen Doktrin Johannes des Täufers, den sie für den Messias halten. Sein Glaube ist gnostisch. Die Anhänger der Gnosis erretten sich nicht, wie die Christen, durch ihren Glauben sondern durch die göttliche Erkenntnis (manda heißt „Erkenntnis“). Dies erlaubt, dass der Mensch sich selbst und mit Hilfe der Mystik, der Ethik und den Riten erretten kann. Somit ist nicht alles von der Göttlichkeit abhängig. Das heilige Buch der Mandäer ist die Ginza (oder auch Sidra Rabba). Es wird die Polygamie akzeptiert und, wie auch bei allen anderen Gnostikern, geht man davon aus, dass die Seele vom Körper eingenommen ist.

Die mandäische Religion ist eine tausendjährige und trotzdem eine Minderheitenreligion. Zwei Jahrhunderte nach dem Tod von Jesus Christus sind die Mandäer aus dem heutigen Israel nach Mesopotamien geflohen. Dort überlebten sie und bewahrten den Glauben und die Sprache, das Mandäisch, einem aramäischen Dialekt. Sie lebten immer in der Nähe von Flüssen um ihren wichtigsten mystischen Akt ihrer Doktrin ausführen zu können: die reinigende Taufe.

Nach 20 Jahrhunderten fanden sie sich versunken mitten im Szenario moderner Kriege, in dem sie an doppelter Verfolgung leiden. Die Verfolgung im Irak war insbesondere grausam seit der Interventionen der USA, welche der religiösen Toleranz des Baath-Regimes von Saddam Hussein ein Ende setzte. Mandäer waren Ziel eines Genozids, der sie zwang entweder zu konvertieren, zu sterben oder zu flüchten. Die seinerzeit im Irak lebenden 60.000 Mandäer wanderten in den Westen oder nach Syrien. Heute sind von dieser Anzahl aus dem Jahr 2003 nur noch 10% übrig. Sie gelten als die letzten Gnostiker beziehungsweise als die letzten Essäer.

Viele Flüchtlinge wanderten nach Syrien, wo ebenfalls die religiös-tolerante Baath-Partei regierte. Hier konnten sie einige Jahre leben bis die Rebellenmilizen, wieder von den USA mit Waffen aufgerüstet, sich gegen Assad auflehnten um mit Gewalt den Islam durchzusetzen. Aus diesem Grund fordern die Mandäer den Status quo Syriens wiederherzustellen. Möglicherweise aber ist es bereits zu spät und die wichtigsten, verbleibenden, mandäischen Gemeinschaften sind die der Diaspora im Iran beziehungsweise jene in Kanada, USA und Australien. So ist sicherlich ihre tausendjährige Kultur vom Aussterben bedroht. Erstaunlicherweise haben sich auch die syrischen Christen und die kurdische Minderheit, wie die Manäer, gegen die Rebellen positioniert, welche die ethnischen und religiösen Minderheiten enthaupten und exekutieren und somit das zerbrechliche Gleichgewicht, dass die Baath-Regierung aufrechterhielt, zerstörten.


Jordi Vazquez

@Jordi Vazquez

Herausgeber von „Help Catalonia“ und Autor von „Die schottische Nationalbewegung“

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