Dienstag, 15. April 2014

Verspanischen in Katalonien


In ein paar Tagen wird die Präsidentin der Junta von Andalusien nach Katalonien gehen, um dort Kampagne gegen die für November einberufene Volksabstimmung der Regierung der Generalitat zu machen. Zusammen mit Rajoy und Rubalcaba wird Susana Díaz den Dreizack der PPSOE vervollständigen, der die Aufgabe hat, die Katalanen, alle Spanier und ganz Europa davon zu überzeugen, dass das Streben der Katalanen, selbst zu entscheiden, nicht verwirklicht werden kann.

Unserer Susana ist Andalusien zu eng und sich mit den Problemen Andalusiens zu beschäftigen erfüllt ihre Bestrebungen nicht. Seitdem sie aus dem Parteiapparat in das Zentrum der Farce gesprungen ist, in die sich die Politik verwandet halt, arbeitet sie daran, innerhalb und ausserhalb der PSOE prominent zu werden und einen spanischen Jakobinismus auszuüben, wie er in der Partei schon lange Tradition ist. Genauso wie die Idee eines “neuen Produktionsmodells” aufgegeben zu sein scheint und sieht die andalusische Zukunft wiederrum danach aus, dass wir ein untergeordnetes Land bleiben, fast eine interne Kolonie, mit einer Wirtschaft, die auf Minen- und Bauarbeiten basiert (und eventuell auch dem Tourismus) -- und Frau Präsidentin bleibt alle Zeit der Welt sich in der Flagge einzuwickeln und “Spanien zu verteidigen”. Dies macht sie in der heutigen Missionsregion, in Katalonien, wie eine neue Agustina de Aragón, um zu verspanischen und dem katalanischen Volk das Entscheidungsrecht zu verweigern.

Es scheint, dass sie Propaganda macht für diese federale Option die ihre Partei jetzt verteidigt und von der keiner, auch nicht die innerhalb der Partei, weiß, woraus sie besteht. Und sie traut sich auch noch ganz besonders die Andalusier anzusprechen, die nach Katalonien auswandern mussten und die jetzt -- die Auswanderer und ihre Kinder -- Mitglieder dieser Nation sind und trotzdem sich weiter als Andalusier fühlen können (etwas das die, die Nation mit Staat und sozialer Integration und daraus folgendem Verlust der kulturellen Identiät verwechseln, nicht verstehen): das sind dieselben, denen sie jetzt das Recht verweigert, sowohl Andalusier als auch Katalanen sein zu können. Sie versucht sie davon zu überzeugen, eine Art Lerrouxismus anzunehmen und sich wie Spanier der Fünften Kolonie zu benehmen. Das scheint mir ein schmutziges und gefährliches Maneuver. 

Während der zwei rechten Jahre der Zweiten Republik, als der Präsident der Generalitat, Lluís Companys, und andere katalanische Machthaber im Gefängnis von El Puerto de Santa María saßen, weil sie den katalanischen Staat ausgerufen haben, besuchten Blas Infante und liberal-nationalistische Andalusier sie mehrmals und verteidigten sie öffentlich. Hat irgendjemand darüber Zweifel, welche Position heute der, den alle “Vater der andalusischen Heimat” nennen, vertreten würde bezüglich des Rechts zur Entscheidung, das die Mehrheit der Katalanen verlangt? (Falls jemand nicht der Meinung ist, dass es sich um eine Mehrheit handelt oder nicht daran glaubt, dass die, die für dieses Recht kämpfen, dies nicht unbedingt für die Freiheit tun, sollte die Volksabstimmung unterstützen und so seine Zweifel loswerden.)

Das Einschreiten in Katalonien von Susana Diaz, die heute nicht nur eine der Hauptanführer in der PSOE (was einiges darüber aussagt, wie sich diese Partei entwickelt hat), sondern auch die amtierende Präsidentin von Andalusien ist, entspricht nicht den andalusischen Interessen. Unter anderem, weil es ignoriert, dass als ein Volk, als eine “nationale Realität” (ein Ausdruck aus dem aktuellen Autonomiestatut), Andalusien das selbe Recht hat wie andere Völker -- das Recht über sich selbst zu entscheiden (wie es Katalonien jetzt tun möchte) -- wenn genug Andalusier das wollten. Um zu entscheiden ob wir um die tiefgehenden Veränderungen zu ermöglichen, die wir brauchen (was die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Politik angeht) einen Staat, einen Staatenbund (wie Infante es wollte) oder das aktuelle Modell benötigen, oder nicht. Es ist gerechtfertigt, uneinig zu sein darüber, was angebracht wäre und was ein Fehler und jede Entscheidung sollte auf rigorosen, externen Forschungen über die jeweiligen Konsequenzen basieren, aber man kann keinem Volk verbieten, seine mehrheitliche Meinung öffentlich und frei auszudrücken und dass diese auch respektiert wird. Sei es Kosovo, Westsahara, Schottland, Katalonien... oder Andalusien. Denn es ist einfach ein demokratisches Grundrecht (welches, zufälligerweise, auch die PSOE anerkannte bis zu ihrer politischen Transition).


Dass die Konstitution von ’78 den multinationalen Charakter des spanischen Staates nicht anerkennt ist ein sehr schlechtes Argument um das Referendum des 9. Novembers in Katalonien zu disqualifizieren. Es reflektiert nur die demokratischen Defizite der Konstitution, was dieses und andere Themen angeht. Und entblößt ihren starken spanisch-nationalistischen Charakter. Wenn Zapatero und Rajoy in einer Nacht einen der Artikel ändern konnten, um ihren Finanzhaushalt durchzubringen, dann kann niemand sagen, dass man sie nicht was dieses Thema angeht reformieren kann -- ein Thema, das alle Nationen der Halbinsel und ihr Zusammenleben angeht. Wenn keine Gesetzesreformen gemacht werden, um das demokratische mit dem legalen zu vereinbaren, dann nur, weil es niemand zulassen will. Auch was das angeht sind sich die PP und PSOE vollkommen einig.




Isidoro Moreno Navarro, Professor der Sozial- und Kulturanthropologie in Sevilla.
Preise: “Premio Andalucía de Investigación Plácido Fernández Viagas sobre Temas Andaluces” (2001) und “Premio Internacional Etno-demo-antropológico Giuseppe Pitré” (2005) und “Premio Fama” der Universität von Sevilla.






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