Samstag, 31. Mai 2014

Ansprache

Liebe Freunde, heute haben wir einen Grund zum Feiern: das Datum und die Frage für unsere Volksbefragung stehen fest. Wir feiern, dass wir am 9. November über die Zukunft unseres Landes entscheiden können.

Es ist WAHR, dass die Frage nicht genau der Vorstellung der 2 Millionen Menschen entspricht, die am letzten 11. September die Straßen Kataloniens bei einer der größten Demonstrationen aller Zeiten füllten. Aber TATSACHE ist, dass die erhoffte Frage in der doppelten Fragestellung enthalten ist.


Es ist WAHR, dass das Datum auch zeitlich nicht so nah liegt, wie wir es uns gewünscht hätten, aber TATSACHE ist, dass der gewählte Zeitpunkt einen politischen Vorteil hat und zudem ein großes symbolisches Gewicht, weil er mit dem 25. Jahrestag des Berliner Mauerfalls koinzidiert.


Aber das Wichtigste ist, dass es ein Datum und eine Frage gibt und wie es dazu gekommen ist: nämlich mit dem Konsens aller parlamentarischer Gruppen, die das Recht auf eine Entscheidung der Katalanen befürworten, und die zudem die große Mehrheit im katalanischen Parlament bilden.


Die Abstimmung ist der Weg. Am 9. November können wir Katalanen unser Recht, über die Zukunft unseres Volkes zu entscheiden, auf die friedlichste und demokratischste Weise, die es gibt, ausüben: mit einer Volksabstimmung.


Falls der spanische Staat dieses demokratische Recht verweigert, wird er vor Europa und der Welt bloßgestellt sein, denn keine Verfassung steht über der Demokratie. Man kann sich nicht Demokrat nennen und dagegen sein, dass ein Volk sein Recht auf Selbstbestimmung ausüben möchte. Allerdings müssen wir eins bedenken: Diejenigen, die dieses Recht in Katalonien verweigern, sind in der Minderheit, die nicht einmal an die 35 Prozent der Abgeordneten herankommt. Im Gegensatz dazu, könnte im spanischen Parlament dieser Anteil die 80 Prozent überschreiten, darunter die Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE). Diese Partei hat bereits angekündigt, dass in einer hypothetischen bundesstaatlichen Lösung für Spanien das Recht auf eine Selbstbestimmung der Katalanen keinesfalls Platz finden sollte. Herr Zapatero, als einer der „fortschrittlichsten” und pro-katalanischen Politiker der PSOE bekannt, und der nach eigener Aussage in Granada als „Katalane” beschimpft wurde, bestätigte vor wenigen Tagen, dass das Recht auf Entscheidung „gegen die Natur” sei. „Gegen die Natur” - Stellen Sie sich das vor! (Sicher auch „gegen die Natur” aus Sicht der Bischofskonferenz.)

Es ist also gut möglich, dass wir uns vor der ersten und einzigen Gelegenheit befinden, um über unserer Unabhängigkeit entscheiden zu können. Lasst sie uns nutzen!

Der spanische Staat hat bereits klargemacht, dass er alles in seiner Macht stehende tun wird, um zu verhindern, dass die Bürger Kataloniens über ihre Zukunft entscheiden können. Aber wir dürfen nicht den spanischen Staat mit dem spanischen Volk gleichsetzen. Uns verbindet viel mit dem spanischen Volk, das wir schätzen und das genau wie wir unter der Unterdrückung einer ausbeuterischen, zentralistischen, rückschrittlichen Oligarchie litt und leidet, unter den Nutznießern pharaonischer Bauprojekte, die uns alle auf die gleiche Weise haben verarmen lassen.

Aber wir haben einen Vorteil: uns vereinen eine eigene, ständig bedrohte Sprache und Kultur. Zugleich haben wir eine bemerkenswerte Zivilgesellschaft, die aktiv, dynamisch und stark ist, und die einen sozialen und politischen Wandel ermöglichen wird. Und vielleicht kann dies auch ein Vorbild für unsere Freunde im spanischen Staat sein, um aktiv zu werden.


Wir Katalanen wollen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen, unsere Ressourcen selbst verwalten und weiterhin solidarisch mit den Einwohnern Spaniens sein, aber auf eine viel effizientere Art und Weise.


Und wir haben Eile, große Eile, denn die Bedürftigsten leiden wie nie zuvor.

Die Menschen meiner Generation haben den demokratischen Übergang erlebt. Wir waren jung und hatten das Privileg, am demokratischen Aufbau des Landes mitzuwirken. Heute haben wir die Möglichkeit, unserer Jugend zu helfen, einen neuen Staat zu errichten: ein freieres, fortschrittlicheres, solidarischeres und dementsprechend auch gerechteres Land. Wir haben eine großartige Gelegenheit vor uns, die begeistert und motiviert.

Worauf warten wir noch?


Wie sagt Miquel Martí i Pol: Es ist alles bereit und nichts ist unmöglich!

Katalanen … Machen wir uns auf.


Hoch lebe Katalonien!





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