Dienstag, 2. Dezember 2014

„Toro Jubilo" (in etwa „Stiergaudi“), spanische Rohheit in Reinkultur


Medinaceli  ist ein kastilisches Städchen in der Provinz Soria . Schon seit Jahrhunderten findet im November das traditionelle Fest „Toro Jubilo“ statt. Man kennt nicht genau den Ursprung dieses Festes, aber die Anthropologen meinen, dass es von den iberischen Völkern eingeführt wurde, vielleicht schon  im Bronzezeitalter. Im Archiv der Herzöge von Medinaceli kann man lesen, dass 1559 König Philipp II dem Fest beigewohnt hat. Es ist der erste schriftliche Beweis für  diese barbarische Tradition. Im Jahr 2002 hat die Junta von Kastilien-Leon (regional autonome Regierung) das Fest als eines von regionalem touristischen Interesse gekennzeichnet.


Der Stier wird mit einem an den Hörner gebundenen Seil zu einem Pfahl gezogen. Dort wird ihm auf den Kopf ein Metallgestell mit zwei Kugel aufgebunden, die fast eine Stunde brennen werden. Die Kugeln verbrennen dem Tier das Gesicht und Augen und verhindern ihm sogar zu atmen. Das mit Terpentin und Schwefel präparierte Werg brennt fast eine Stunde ununterbrochen, während der Stier in Panik versucht erfolglos dem Feuer zu entfliehen. Die Angst und seine Not sind für ihn fast eine schlimmere Tortur als das Feuer und die Schläge des Mobs. Der Lehm, der ihn als vermeintlicher Schutz gegen das Feuer bedeckt,  verschwindet allmählich. Das Feuer greift seine Augen an und erschwert seine Atmung, er erleidet Verbrennungen  sowohl am Kopf als am ganzen Körper und er kann die Schläge nicht vermeiden , die er unentwegt bekommt. Wenn das Feuer aus ist, ist das Fest zu Ende, und schon ohne Publikum muss der Stier „hingerichtet“ werden. Das ist von der autonomischen Gesetzgebung bestimmt,  um dem Tier ein leidensfreien Tod zu gewährleisten, und um ihn ein Leben zu ersparen, das von den unauslöschlichen Folgen der erlittene Tortur bestimmt wäre. Diese Folgen sind so gravierend, dass man  manchmal den  Stier  nicht „hinzurichten“ braucht, weil er schon vorher stirbt.

Am 15 November um Mitternacht wurde diesmal der Stier Islero gefoltert. Von den 70 Leuten, die dagegen protestierten, wurden vier von der Guardia Civil verhaftet und von 50 weiteren wurden die Personalien festgehalten. Alles um den Sadismus zu beschützen. Eine verkehrte Welt. Die Rohheit wird beschützt und die Menschlichkeit wird verfolgt.


Jordi Vàzquez
@JordiVazquez

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