Donnerstag, 3. September 2015

Betr. Leo Wieland. “Der Preis der Unabhängigkeit Kataloniens”, FAZ 2.09.15

Sehr geehrter Herr Frankenberger,

Entschuldigen Sie bitte, dass ich mich nochmals direkt an Sie wende. Meiner Erfahrung nach wird ein kurzer Leserbrief über dieses Thema nicht veröffentlicht und landet wahrscheinlich im Papierkorb, bevor Sie ihn lesen können.

Wahrscheinlich bin ich bei der FAZ schon als “Persona non grata “, als ewiger Nörgler eingestuft. Aber Herr Wieland darf nicht unbeantwortet bleiben als ob er die Fakten korrekt widergeben würde. Ich habe grossen Respekt für die meisten Mitarbeiter der FAZ und bewundere besonders solche grossartige Korrespondenten wie Rainer Hermann, Kerstin Holm oder Tobias Piller, um nur ein paar von vielen hervorragenden Namen zu nennen. Unparteilichkeit und Ausgewogenheit sind in der Regel ausgezeichnete Merkmale der FAZ. Bei Herrn Wieland aber scheinen es unbekannte Begriffe zu sein und, wie in seinem letzten Artikel, wiederholt er einfach alle Wahrheitsverdrehungen der Madrider Politik und Presse. Damit bekommen die Leser der FAZ unnötigerweise einen falschen Eindruck der Geschehnisse in Katalonien. Um nur einige Beispiele in dem letzten Artikel zu nennen (es sind alles nachprüfbare Fakten, wenn man sich die Mühe macht und nicht einfach die Madrider Zeitungen kopiert):

1.”Das restliche Spanien ist für Katalonien der wichtigste Markt”. Falsch. Die jetzige Verteilung des katalanischen Warenabsatzes ist : 30 % in Katalonien selbst, 30 % im Rest Spaniens (Tendenz fallend) und 40 % im Ausland (Tendenz steigend). Wenn ein spanischer Boykott kommen würde (dessen Erfolg sehr unwahrscheinlich ist) wäre Spanien (nach den jetzigen Gegebenheiten) mehr geschädigt als Katalonien.

2.”Der Region wird seit mehreren Jahren nur auf Sparflamme regiert...weil Mas nur von einem missglückten Referendum zum nächsten taumelt”. Falsch. Die katalanische Landesregierung hat alles Erdenkliche getan, um den Folgen der Krise entgegenzuwirken, obwohl die Zentralregierung diese Bemühungen ständig boykottiert hat, a) indem der Spardruck auf die Regionen aufgewälzt wurde, b) viele Massnahmen der katalanischen Regierung als Null und Nichtig erklärt hat, und c) indem sie mehrere ihrer gesetzlich bestimmten finanziellen Verpflichtungen gegenüber Katalonien nicht erfüllt hat.

3.”Katalonien ist die am höchsten verschuldete unter den 17 spanischen Regionen”. Das ist korrekt, aber wenn man davon spricht, sollte man auch die Gründe dafür erklären, und diese liegen in der Unausgewogenheit zwischen den Steuermitteln, die der Zentralstaat aus Katalonien entnimmt und den Diensten und Investitionen die Katalonien von Spanien bekommt. In den letzten 25 Jahren sind das mehr als 250 Milliarden. Wenn der Mittelabfluss nur die Hälfte gewesen wäre (und das wäre auch weit mehr als die Defizite Bayerns oder Baden-Württemnbergs im LFA) hätte Katalonien keine Schulden. Die katalanische Landesregierung hat nur die Hoheit über 5% der in Katalonien eingezogenen Steuern. Mit dem Rest macht die Zentralregierung was ihr beliebt.

4.Die Abwanderung von Unternehmen aus Katalonien ist bis jetzt eine unbewiesene Behauptung. Bewiesen ist aber z.B. , dass mehrere der internationalen Konzerne, die in Katalonien Betriebe haben, sich für eine Erweiterung ihrer Investitionen im Land entschieden haben.

5.”Der spanische Aufschwung, der auch in Katalonien spürbar wird, schwächt die Separatisten”. Doppelt falsch. Erstens, dieser sogenannte Aufschwung ist lediglich eine Minierholung, die ganz geringe Wirkungen auf die Arbeitslosigkeit hat. Von einem Trend mit möglichen politischen Folgen ist er weit entfernt, und Spanien bleibt mit Abstand das Land mit der höchstn Arbeitslosenquote der EU (FAZ. 3.09.15). Und zweitens, alles spricht im Moment dafür, dass die Unabhängigkeits-bewegung nicht nur nicht kleiner wird sondern weiter wächst. Die Wahlen am 27. September werden es zeigen.

Und 6. Die Frage ob Katalonien, aus europäischer Solidarität Griechenland helfen will, aber nicht Andalusien im eigenen Land, ist nicht nur lächerlich sondern auch böswillig. Die Katalanen haben auf jede erdenkliche Weise ihre Solidarität mit den ärmeren Regionen Spaniens gezeigt. Wogegen sie sich wehren ist, dass diese Hilfe, die eine Selbstverständlichkeit ist, ihre eigenen Möglichkeiten überfordert, sodass am Ende der Helfer viel schlechter dasteht als die Geholfenen.

Wie gesagt, alles was ich ausgeführt habe, ist nachprüfbar.

Mit Respekt und Bewunderung für Ihre Arbeit in einer der besten Zeitungen Europas, verbleibe ich

Mit freundlichen Grüße

Pere Grau

4 comentaris:

  • Anonym says:
    7. September 2015 um 08:22

    Sehr geeherter Herr Grau,

    was Sie hier schreiben ist eine Ansammlung an Unsinn allererster Güte. Ihre "Richtigstellungen" sind völlig abwegig und sowohl in ökonomischer als auch in politischer Hinsicht größtenteils unwahr. Abscheulich, einfach nur abscheulich was Sie hier tun.

  • Raquel Lopez Catalan says:
    12. September 2015 um 07:24

    Sehr geehrter Herr Anonym,

    es reicht nicht, eine Meinung als einfach als unwahr zu bestreiten und dies als "Anonym" zu veröffentlichen. Erklären Sie warum, Ihrer Meinung nach, die Argumente "abscheulich" und "größtenteils unwahr" sind.
    Danke

  • Pere Grau says:
    14. September 2015 um 01:15

    Ihr Kommentar Herr Anonym hat 2 Schönheitsfehler: 1. Die Anonymität. Wenn ich ein Kommentar woanders schreibe, tue ich es immer unter meinen vollen Namen. Es ist eine Frage der Verantwortung. Und 2. (und wichtiger): wenn Sie anders denken sollten Sie es begründen und meine Ausführung nicht nur als unwahr, abscheulich und abwegig bezeichnen. Wie ich in den Brief behaupte: ob es gefällt oder nicht, es ist alles überprüfbar

  • Anonym says:
    21. Dezember 2015 um 03:12

    Na dann bin ich aber mal froh dass nicht nur mir der Mist von Leo Wieland auf die Nerven geht. Bin es mittlerweile leid was dazu zu schreiben. Freut mich aber dass das jemand so ausführlich tut.

    Gruß

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